Die Alpenregion Tegernsee Schliersee, Heimat der WERTEPRODUZENTEN, ist von Natur aus schön – doch ihr Erhalt liegt in Menschenhand. Die Landwirtschaft nimmt in unserer Wertschöpfungskette eine ganz bedeutende Rolle ein. Sie ist weitaus mehr als bloßer Rohstofflieferant. Und sie ist spür- und erlebbar: ob in einem der vielen Hofläden, an unseren „Milchtankstellen“, bei einem der zahlreichen Bio-Bauern (denn jeder dritte Landwirt ist bei uns „Bio“) oder in der Naturkäserei TegernseerLand. Hans Leo, einer ihrer Mitgründer, sprach mit uns über emotionale Landwirte, reiche Böden und händisches Hacken statt chemische Keulen.

Vor 10 Jahren reifte die Idee zur Naturkäserei. Was war damals die Motivation, die Genossenschaft zu gründen?

Wir hatten als Landwirte das Gefühl, zu reinen Rohstofflieferanten degradiert zu werden. Wir sind jedoch viel mehr, gerade wir Kleinbauern. Traditionell ist unsere Aufgabe, uns um Tier und Landschaft zu kümmern. Wir wollten uns nicht immer weiter von dem natürlichen Kreislauf entfernen, sondern uns ihm wieder annähern, dem Land und Tier – aber auch dem Kunden. Deshalb sind wir den Weg der sozial- und umweltverträglichen Direktvermarktung gegangen. Es war durchaus eine emotionale Entscheidung, aber es ist auch ein emotionaler Beruf.

In wie fern emotional?

Grundsätzlich empfinden wir unsere Heimat nicht einfach nur als hübsche Kulisse. Wir sind so eng mit ihr verbunden und sehen es als unsere Aufgabe, sie zu erhalten. Die reine Luft, das reine Wasser, die Berge und die Wiesen. Man sagt ja, „da steh ich drauf“, wenn man etwas mag. Ich stehe im doppelten Sinne auf den Boden… In ihm liegt das Leben, wir müssen ihn nährstoffreich und fruchtbar halten. Und natürlich muss man als Bauer Tierliebhaber sein. Bei uns haben die Kühe Familienanschluss, sagt man.

Man bezeichnete die Landwirte auch gerne als Landschaftspfleger.

Das trifft es durchaus – wenn man uns nicht auf kosmetische Landschaftspfleger reduziert, die dafür sorgen, dass die Wiesen nett anzusehen sind. Unsere Aufgabe, wie wir sie verstehen, umschließt den ganzen Kreislauf. Der Schritt mit der Naturkäserei war ein bewusster Rückschritt, wenn man so will, eine Besinnung auf unsere traditionellen Wurzeln. Wir haben unsere Betriebe entsprechend naturnah umgestellt bzw. zurück entwickelt.

Was hat das mit sich gebracht?

Umweltverträgliche Landwirtschaft bedeutet zeitintensivere und schwerere Arbeit – aber zugleich eine Arbeit, die in so vielen Bereichen ertragreicher ist. Die Milchleistung ging zunächst in der Quantität zurück, aber die Qualität ist deutlich besser, rein und keimarm. Das schmeckt man nicht nur, das bestätigen auch die Kontrollverbände und Milchprüfer.
Wird ein Tier krank, setzen wir auf Naturheilverfahren und nicht auf die schnelle Antibiotika-Lösung. Ja, wir müssen uns intensiv mit den Tieren beschäftigen, aber das ist doch schön. Außerdem sind sie inzwischen deutlich robuster. Bei uns bekommen die Kälber länger Muttermilch, was man als Einkommensverlust sehen kann – oder als Qualitätsinvestition. In unserer Heuwirtschaft sind wir flexibler und müssen nicht von heute auf morgen ein ganzes Feld mähen. Wir mähen abgestuft und geben dadurch den Bienen und Bodenbrütern Zeit „umzuziehen“. Und auf dem Feld schwingen wir die Hacke statt die chemische Keule. Das alles ist harte Arbeit, aber absolut erfüllend. Das Ergebnis ist eine Kulturlandschaft, die gesund und wunderschön ist. Und obendrauf gibt es die schmackhaftesten Produkte…

Hans Leo & die Naturkäserei TegernseerLand

Der 52-Jährige betreibt in Kreuth eine Naturlandwirtschaft und ist Vorstandsvorsitzender der Naturkäserei TegernseerLand. 23 Heumilchbauern beliefern die Genossenschaft und verpflichten sich damit, ihre landwirtschaftliche Arbeit nach strengen Vorgaben auszurichten. Ziel ist es, über Direktvermarktung die traditionelle Landwirtschaft zu stärken und die heimischen Landschaftsstrukturen zu erhalten. In Anlehnung an das Reinheitsgebot der Bierbrauer verwendet die Naturkäserei ausschließlich tagesfrische Heumilch, Natur-Lab, Kulturen, Meersalz sowie Kräuter und Gewürze.

Das Interview wurde im Sommer 2016 geführt.