Gerade hier oben am Tannerhof, auf der Anhöhe über Bayrischzell, wirkt der Sternenhimmel immer noch etwas beeindruckender, so auch an diesem Donnerstagabend im März. Es ist das Ende eines der ersten „richtigen“ Frühlingstage in diesem Jahr und die angenehme Außentemperatur lädt dazu ein, die Szenerie etwas wirken zu lassen. Drinnen in der Orangerie machen es sich Gäste gemütlich. Draußen huschen einzelne Veranstaltungsbesucher vorbei.

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Heute wird Bayrischzell zum Mississippi-Delta und der Tannerhof zum Blues-Club. Bereits zum dritten Mal werden die beiden Blues-Musiker Peter Crow C. und Ferdinand Kraemer von BLACK PATTI hier auftreten. In der Verlängerung der Orangerie flackert der Neon-Schriftzug „Galerie im Treppenhaus 1967“ in tiefem Blau wie eine alte Leuchtreklame. Plakatfetzen vergangener Veranstaltungen machen die Illusion eines Juke Joints irgendwo am Mississippi perfekt.

Drinnen geht es, wie es sich für eine „Blues-Kneipe“ gehört, leger zu. Gemütliche Sessel, schummriges Licht, kleine Tischchen und alte Stehleuchten machen das Wohnzimmer Flair perfekt.

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Die Plätze füllen sich, schnell werden weitere Stühle herbeigeschafft. Das Publikum ist bunt gemischt aus Einheimischen und Gästen. Die einen berichten von ihren Urlaubserlebnissen dieses schönen Frühlingstages, die anderen planen die nahende Abreise.

Dann geht es auch schon los, die Musiker greifen zur blues-typischen Resonator-Gitarre und blues-untypischen Mandoline. Mit einem kraftvollen „Morning Train“ starten sie in den Abend.

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Der Sound ist bestimmt vom Blues der 20er Jahre. Ein stampfender Fuß ersetzt das Schlagzeug und zwei kräftige Stimmen den Gospel-Chor. Sie übertönen damit sogar die Mikrofone und machen diese so fast überflüssig. Nach 30 Minuten lassen sie diese zeitweise einfach weg und singen den „Teufel“ aus dem Blues.

Die beiden Musiker kommen nicht aus dem amerikanischen Süden oder aus Chicago, sondern aus München. Sie stehen an diesem Abend im ständigen Dialog mit dem Publikum, ganz zwanglos, wie es sich für einen Juke Joint halt gehört. Sie erklären, dass sie oft fälschlicherweise für Vater und Sohn gehalten werden, dabei seien sie nur „Brüder im Geiste“.

Und genau wie Brüder harmonieren sie auch. Mal versunken, nuschelnd und melancholisch, mal klirrend, stampfend und jodelnd.

Im Laufe des Abends bieten sie viele Einblicke in die Geschichte des Blues. So erklären die beiden zum Beispiel, dass Blues schwarze Musik ist, das „F-Wort“ aber, anders als beim Rap oder Hip-Hop, Tabu ist. Auf die Frage, welches dies wohl sei, kommt aus dem Publikum die überzeugte Antwort „Fasten“ – wir sind ja schließlich immer noch am Tannerhof.

Viele Lacher und musikalische Glanzmomente hat dieser Abend zu bieten. BLACK PATTI und die ganz besondere Atmosphäre haben es geschafft, Bayrischzell für kurze Zeit in das Mississippi Delta zu verwandeln.

Zum Abschluss des Abends gibt es natürlich noch ein Gastgeschenk für die beiden Münchner und was würde sich bei zwei Blues-Musikern besser eignen, als ein kleines Tütchen mit der Aufschrift SLYRS. Die beiden sind erfreut, aber nur wenig überrascht. Sie bedanken sich augenzwinkernd mit „Den haben wir in guter Erinnerung“.

Hier geht’s zu den kommenden Veranstaltungen am Tannerhof.

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